Willkommen in Bellinzona, Gestern Sperre der Alpen.
Das Land um Bellinzona war im Mittelalter wie eine Dame von spröder Schönheit, die im Schutz der Felswände den Pas für Reisende und reiche Handelsleute auf der Via Gentium, der Strasse der Völker, abriegelte. Heute „Kulturerberbe der Menschheit". Die Burgen und Wehrmauern gehören einem Volk, das stolz darauf ist, dank der UNESCO, den zukünftigen Generationen eine echte Festung weitergeben zu können, an der jede Epoche ihre architektonische und kulturelle Handschrift hinterlassen hat. Eine Stadt, die an ihrer Tradition hängt, aber auch mutige, in die Zukunft weisende Schritte wagt. Der Altstadtmarkt am Samstag ist Eine Palette der unverfälschten Klänge und Farben. Doch der Salon der Stadt bildet einen Gegensatz zu diesem bunten Regenbogen. Die von namhaften modernen Architekten geprägten Fassaden der umstehende Gebäude, aber auch die Stuckaturen auf den neoklassischen Logen einer Scala im Kleinen. Es waren Künstlerhände, die aus der ganzen Region ein Freilichtmuseum geschaffen haben, in einem schwebenden Gleichgewicht der Liebe zum Alten und der Flucht in die Zukunft. Es sind die Terre di Bellinzona, die tückischen Winden den Widerhall einer Lebensweise anvertrauen, die hier arbeitsam und würdig verläuft. Doch wenn man sie einmal kennt, diese kokette und respektlose Dame, zeigt sie sofort ihr anderes Gesicht, wird zur Ehrenjungfer des stimmgewaltigen und festfreudigen Rabadan, Souverän eines hundertjährigen Karnevals. Dann zeigt sich Bellinzona stolz als politische und administrative Hauptstadt des Tessins als Hort der wissenschaftlichen Forschung, aber auch gerne bereit, dich durch das Gewirr schmaler Strassen auf der grünen Ebene gegen den See zu führen, eingebettet zwischen Hügeln, in denen sich kleine Festungen, Bauernhöfe und Weinkeller verstecken. Wenn sie will, kann sie dich aber auch zu einem königlichen Gastmahl einladen. Es sind die Terre di Bellinzona. Eine unsichtbare Hand hat dieses Land eingeschmiegt zwischen Ticino und Moesa, im Mittelpunkt einer Region, wie ein von den Strahlen der Sonne geschliffener Diamant, der dem Betrachter tausend Facetten offenbart. Wenn die Natur erwacht, wird auch der Blick auf die Geschichte ein glanzvolles Erlebnis.
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